Wut – jeder kennt sie, doch keiner will sie wirklich

 

Jeder kennt sie, doch keiner will sie wirklich –

nimmt sie uns scheinbar soviel von unserer Selbstkontrolle und lässt uns Dinge sagen oder tun, die wir im „Normalzustand“ nie denken würden: Unsere Wut.

Ein Gefühl, heftiger als Ärger und schwerer zu kontrollieren als Zorn. Wenn ich wütend bin, handle ich oft, ohne groß nachzudenken – und noch dazu aggressiv. Meistens tut mir mein Ausbruch danach leid, weiß ich doch eigentlich, wie ich es besser machen könnte (bin ja vom Fach ) und bekomme trotzdem nicht immer rechtzeitig die Kurve. Kennst Du das auch?

Der eine schreit mit knallroter Birne, die andere boxt mit voller Wucht ins Kissen oder feuert den nächstbesten Gegenstand auf den Boden.

Nicht nur für uns persönlich und unser privates Umfeld ist dies häufig eine unschöne Erfahrung. Auch im beruflichen Kontext oder gar als Führungskraft wirken sich unkontrollierte Wutausbrüche auf unsere Mitarbeitenden, unsere Konzentration und unser Image nachteilig aus.

Das lateinische Wort für Wut, furor, beschreibt den Ausnahmezustand ziemlich gut: furor bedeutet Raserei, Wahnsinn, Leidenschaft. Wobei die Leidenschaft die schönste der Beschreibungen ist und mich z.B. an ein temperamentvolles und begeistertes Plädoyer einer Italienerin für ein bestimmtes Thema denken lässt.

Wahnsinn hingegen, Raserei, kommt dem Grund, warum Wut ein so schlechtes Image hat, sehr nahe – wir sind irgendwie out of order:

„Wir fahren aus der Haut“, „ersticken vor Wut“, „haben einen dicken Hals“, „können nicht mehr klar denken“, „könnten kotzen oder laut schreien“, „treten Wände ein“ – „es ist einfach zum in die Luft gehen“.

Vielleicht kennst du noch mehr Beschreibungen oder Ausdrücke, um dem Gefühl der Wut Worte zu geben.

Alle, so wie wir sie sagen, drücken einerseits aus, dass wir eine ziemlich große Energie irgendwie los werden wollen/müssen und andererseits machen sie deutlich, dass wir dabei selber körperlich eindeutig in Mitleidenschaft gezogen werden.

Wut schadet scheinbar am meisten uns selbst.

In den Marvel Filmen verkörpert kaum ein aderer dieses Gefühl so sehr wie der Comic-Held Hulk: Im echten Leben ist er ein ganz gewöhnlicher Atomphysiker. Seit einem Strahlenunfall jedoch verwandelt er sich in ein sehr grünes, sehr muskulöses Monster, sobald er wütend wird…im Film liebenswert, im echten Leben eher furchtbar.

Was passiert bei Wut im Körper?

Nun, wir werden weder grün, noch platzen uns die T-Shirt-Nähte, weil sich plötzlich hulk-dicke Muskelberge unter dem Stoff spannen. Aber: Wir ziehen die Augenbrauen zusammen, die Pupillen weiten sich. Wut versetzt den Körper in Alarmbereitschaft, er schüttet die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin aus. Der Blutdruck steigt, und auch der Puls klettert in die Höhe. Übrigens ein Grund, weswegen lange unterdrückte Wut tatsächlich krank macht….

Woher kommt unsere Wut? Was löst die Wut überhaupt aus?

Manchmal ist es profan und es steckt nichts anderes dahinter als: Hunger. Das haben US-amerikanische Wissenschaftlerinnen von der Universität von North Carolina herausgefunden. Ich weiß allerdings aus eigener Erfahrung, dass nicht allzu selten bedeutend mehr dahinter steckt.

Unser Körper ist eine Art Sammelraum für Erfahrungen – gute wie schlechte. Je nach dem wie intensiv oder häufig diese Erfahrungen gemacht werden, werden sie mit sogenannten Markern, wie z.B. Gerüchen, Gesten, Worten oder Situationen verbunden.

So schlummern diese Gefühle in uns und werden über die Marker – plötzlich und ungesteuert – aufgeweckt. Unser Gegenüber sagt etwas, was unseren Marker alarmiert oder bewegt den Mundwinkel auf eine bestimmte Art und Weise – zack: Wir sehen rot.

Eine Kränkung zum Beispiel, wenn wir beim Training vor der versammelten Mannschaft niedergemacht werden. Oder Hilflosigkeit in einer unangenehmen Situation, aus der wir nicht rauskönnen.

Dann ist in unserem Gehirn ordentlich was los, vor allem im limbischen System, das unsere Gefühlsreaktionen steuert. Ein Teil des limbischen Systems ist die Amygdala. Sie ist mit dem Thalamus vernetzt, einem „Informationsvermittler“, mit der Großhirnrinde, die unseres Sinneswahrnehmungen verarbeitet, und mit dem Hypothalamus, der unsere Atmung, den Kreislauf und die Temperatur regelt. Normalerweise hat die Großhirnrinde den Job, die Amygdala in Schach zu halten, damit wir bedacht handeln.

Schleudert uns jemand eine Kränkung an der Kopf, gelangt die Information über Augen und Ohren zunächst an den Thalamus, der sie an die Amygdala und an die Großhirnrinde weiterfunkt.

Entscheidet die Amygdala, dass es sich bei der Kränkung um eine üble Angelegenheit handelt, hat die Großhirnrinde keine Chance: Die Amygdala ist schneller, aktiviert den Hypothalamus, der den Körper in Alarmbereitschaft versetzt. Und voilá: WIR FAHREN AUS DER HAUT!

Wie kommen wir da raus?

Neben der Tatsache, dass unser Körper sich über Marker u.a. auch Wut-Situationen merkt, haben wir die Art und Weise, ob und wie wir Wurt ausdrücken meistens in unserer Herkunftsfamilie gelernt. Egal, wie dabei Dein Ausdruck von Wut aussieht, die wichtige Nachricht ist, Du hast diese Ausdrucksweise gelernt – und kannst sie demnach umsteuern.

Je mehr Du die Kombi Wut – Aggression – laut – danach gutes Gefühl in Deinen Wut-Situationen verfestigst, desto selbstverständlicher ist diese Ausdrucksweise für Dich.

Ab heute kannst Du neue Wege einüben und daraus eine für Dich und Dein Umfeld angenehmere Kombination entwickeln.

Mir hilft z.B. :
Wut – laute Musik hören – laufen gehen/ Sport machen – gutes Gefühl.
Oder: Wut – tief einatmen – Worte finden – Gespräch führen – gutes Gefühl.
Oder: noch vor der Wut bei beginnendem Ärger die Situation ausbremsen, was Dich ärgert, verletzt oder kränkt benennen und ins Gespräch gehen.

????????Wie gehst Du mit Deiner Wut um?

Weitere Tipps und Hintergründe erfährst Du in meinen Podcasts z.B. auf Spotify:
https://open.spotify.com/show/7fu7mz5O5XCXoJCYUG83CA
Wohin mit Deiner Wut?
Sturm im Wasserglas
Eiskalt
Ausgewichen!

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